Karlsruhe Beryllium
Handling Facility
Die KBHF GmbH vernetzt mit Fusion for Future
Stakeholder und Themen rund um die Fusion.
Das Karlsruher Experiment
Die KBHF war eine „Eingründung“ oder auch „Spin-in“ am KIT. Sie wurde 2009 ins Leben gerufen. Die Technologie-Firma diente als Praxis-Beispiel für die sogenannte „Open Campus Strategie“. Das bedeutet, dass wissenschaftliche Einrichtungen wie beispielsweise das KIT ihren Partnern, die Teilbereiche eines größeren Themas behandeln, mit einem größtmöglichen Austausch im Netzwerk ein produktives Mitwirken ermöglichen.
Es handelt sich dabei in der Regel um Deep-Tech-Vorhaben mit Laufzeiten von 15 Jahren und mehr. Zwei solcher Vorhaben konnten erfolgreich abgeschlossen werden und die entstandenen Anlagen wurden 2026 dem KIT übergeben. Damit endete die Kooperation und die damit verbundenen Aufgaben der KBHF auf dem Campus.
„Mir ist natürlich klar, dass eine gute High-Tech-Idee wichtig, dass ein überzeugender Business-Plan mit einem Geschäftsmodell erforderlich sind. Aber was zweifellos die zentralen Erfolgsfaktoren bei Gründungen aus Wissenschaft und Forschung heraus ausmachen, das sind die Komponenten Team, Mischung von Fachwissen und Management-Erfahrung sowie umfassendes und sehr früh im Prozess zu beginnendes Marketing. Dann funktionieren auch Gründungen mit einem komplexen technischen Anspruch.“
Dr. Markus Lemmens
Kommunikation Fusion for Future
Produktionsforschung
Technisch sind reines Beryllium und reines Lithium schwierig einzusetzen. In manchen Konzepten stellt dies sogar ein Sicherheitsrisiko dar. Bei hohen Temperaturen erzeugt Beryllium in Kombination mit Wasser schlagartig Wasserstoff, der sich unkontrolliert entzünden könnte. Deshalb gibt es in verschiedenen Ländern Ansätze, Beryllium durch Legieren zu passivieren, insbesondere, wenn in den dort verfolgten Konzepten Wasserkühlung geplant ist.
Reines Beryllium schwillt außerdem sehr stark unter Bestrahlung an. Auch hier zeigen Berylliumlegierungen (Berylliden) bessere Eigenschaften. Dies konnte durch die Auswertung der HIDOBE Bestrahlung (2004-2014) am KIT bestätigt werden.
Es steht nun im 2020ger-Jahrezehnt an, Industrie- und technische Dienstleistungsunternehmen in die Produktionsforschung einzubinden.
Realistisch gesehen, ist die Technologie von ihren Anwendungsfeldern her spezifisch ausgerichtet. Somit können kaum Anreize für kurzfristig erfolgreiche „Spin-offs“ (absehbar wirtschaftlich erfolgreiche Technologie Start-ups) geschaffen werden. Eher greift dafür das das „Spin-in“-Konzept.
Die KBHF geht ab 2020 strategisch weiter und bringt mit dem BeYond Wirtschafts- und Industrieforum gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern KIT und MATERION (Weltmarktführer für Berylliumprodukte, USA) die wichtigsten Stakeholder zusammen: Industrie, technische Dienstleister, Wissenschaft, Politik und mögliche Investoren identifizieren Ansätze für die Kommerzialisierung einer Technologie, die von Deutschland aus der Welt bei der Realisierung des Menschheitsprojektes Fusions-Energie helfen könnte.
Spin-In-Argumente
1. Transfer-Bedarf
Während eine sehr nahe am Markt operierende Forschung zum Beispiel in den Life Sciences, der Informatik oder den Ingenieurwissenschaften die Chance hat, über „Spin-offs“ – also junge Start-up-Firmen – ihr aktuelles Wissen rasch in die Märkte zu bringen, haben sehr langfristig angelegte Forschungsfragen und -Projekte einen anderen Transfer-Bedarf.
2. Wissens-Koordination
Nicht selten stellen sich zum Beispiel in der Energieforschung marktfähige Lösungen erst nach 20 und mehr Jahren ein. Gleichwohl muss das Wissen koordiniert und kontinuierlich in die Praxis gebracht werden, ohne den „Königsweg Firmengründung“ kurzfristig beschreiten zu können.
Während die kostbaren Kenntnisse bei „Spin-off“-Entscheidungen der Forschungseinrichtung unter Umständen verloren gehen könnten (sollte die wasserdichte Regelung einer langfristigen Kooperation unterbleiben), kann mit der „Spin-in“-Idee das Praxis-Wissen für die „Heimateinrichtung“ dauerhaft erschlossen werden.
3. Kooperationen
Das Spin-in-Konzept bedeutet grundsätzlich eine kollegiale Führung zwischen der Forschungseinrichtung und der prinzipiell privatwirtschaftlich agierenden F&E-Firma – so das Beispiel der KBHF am KIT. Strategien, Themen und Arbeitsfelder sowie neue Geschäftsmöglichkeiten werden zwischen dem KIT und dem Unternehmen abgestimmt. Investitionen in die Infrastruktur on Campus, eine langfristige Personal- und Organisationsentwicklung sowie eine definierte Arbeitsteilung schaffen das belastbare Fundament der Kooperation. Von der Schnelligkeit des „Beibootes an der längeren Leine“ profitiert auch der „langfristig navigierende Tanker mit Tiefgang“ enorm.